Bei der Divertikulose handelt es sich um erworbene Ausstülpungen der Schleimhautdurch Lücken in der Darmwandmuskulatur, die Divertikel genannt werden. In der westlichen Welt ist die Divertikulose die häufigste Dickdarmerkrankung überhaupt. Die Lokalisation der Divertikel sind zu 80 bis 90% im sogenannten S-Darm oder Krummdarm (Sigma), das ist der Teil des Darmes vor dem Enddarm, der für die Speicherung des Stuhls vor der eigentlichen Entleerung zuständig ist. Ca. 70% aller Patienten mit Divertikeln sind lebenslänglich ohne jegliche Symptome, lediglich 4 bis 5 % aller Patienten mit Divertikeln entwickeln in ihrem Leben Komplikationen. Der Nachweis von Divertikeln im Rahmen einer Darmspiegelung ohne entsprechende Beschwerden stellt somit keine Erkrankung dar. Es liegt weder eine bösartige Erkrankung noch eine Vorstufe davon vor.

Die genaue Ursache der Divertikulose ist ungeklärt. Diskutiert werden Bindegewebsschwäche sowie segmentale Druckerhöhungen im Bereich der Muskulatur des Darmes, die zu diesen Ausstülpungen führen. Wichtige Risikofaktoren sind insbesondere die ballaststoffarme Ernährung unserer Region, Bewegungsmangel und natürlich Alterungsvorgänge.

Die reine Divertikulose führt nicht zu Beschwerden. Lediglich bei einer Entzündung können Beschwerden auftreten. Diese sind teils wenig spektakulär, wie krampfartige Bauchschmerzen, vermehrte Luftfüllung (Meteorismus) und Völlegefühl, bei einer akuten Entzündung kommt es zu linksseitigen Unterbauchschmerzen und Veränderung der Stuhlgangsfunktion, selten kann auch Fieber auftreten. In diesen Fällen ist dringlich eine medizinische Untersuchung erforderlich. Hier liegt nun eine Divertikulitis (= Divertikelentzündung) oder Divertikelkrankheit vor.

Zur weiteren Abklärung kann im ambulanten Bereich zunächst die Bestimmung der weißen Blutkörperchen (Leukozyten) und anderer Entzündungsparametern in Frage. Eine einfache Untersuchung ist die Ultraschalluntersuchung des Bauchraumes, bei der krankhafte Veränderungen festgestellt werden können. Die wichtigste Diagnostik in der Akutsituation ist die Computertomographie. Ob die weitere Abklärung ambulant oder im Krankenhaus erfolgen muss, entscheidet immer der erstbehandelnde Arzt anhand der aktuellen Beschwerdesymptomatik. Eine Darmspiegelung sollte immer erst nach Abklingen der akuten Beschwerden durchgeführt werden.

In den meisten Fällen verläuft die akute Entzündung (Sigmadivertikulitis) unkompliziert und klingt nach einer Antibiotikatherapie und Verminderung der Nahrungsaufnahme schnell wieder ab. Ganz selten kann es zu einem lokalen Durchbruch des Darmes, entweder mit Ausbildung einer Eiteransammlung direkt neben dem Darm (gedeckte Perforation) oder im ungünstigsten Fall zu einem Platzen des Darmes in Richtung auf die Bauchhöhle mit Ausbildung einer Bauchfellentzündung (Peritonitis) kommen. Diese Komplikation ist glücklicherweise sehr selten. Durch die Entzündung können auch Verbindungen zu anderen Organen wie der Blase, der Scheide und anderen Dünndarmschlingen (sogenannte Fisteln) auftreten. Weiterhin kann bei chronischen Entzündungen eine Enge des Darmes auftreten. Relativ selten sind akute Blutungen. In diesen Fällen sollte immer eine stationäre Behandlung erfolgen.

Die überwiegende Zahl der Patienten mit einer Sigmadivertikulitis kann ohne Operation durch eine Antibiotikatherapie behandelt werden. Eine Operation ist indiziert im Fall einer Bauchfellentzündung sowie bei einem lokalen Durchbruch des Darmes mit Eiteransammlung. Hier muss natürlich die Operation so schnell wie möglich, oft notfallmäßig erfolgen. Gerade in diesen Fällen kann es notwendig sein, vorübergehend einen künstlichen Darmausgang anzulegen, so dass diese Situation wenn irgendwie möglich verhindert werden sollte. Bei einer lokalisierten Eiteransammlung ohne Bauchfellentzündung kann in einigen Fällen unter Krankenhausbedingungen zunächst auch die Einlage eines dünnen Drainageschlauches unter CT-Kontrolle erfolgen. Eine Operation sollte dann später unter optimalen Bedingungen geplant werden.

Wiederholte Schübe einer Divertikulitis mit immer wiederkehrenden Schmerzen im Bauchraum können ebenfalls eine Indikation für eine Operation sein. Diese fälle müssen im ärztlichen Gespräch abgeklärt werden. Die Operation wird heute in fast allen chirurgischen Kliniken standardmäßig mit der Schlüssellochtechnik durchgeführt und sollte immer in spezialisierten Zentren erfolgen.

Sehr wichtig für die Behandlung von Divertikulitisbeschwerden ist auch die optimale Ernährung mit Stuhlgangsregulation. Hierzu zählt insbesondere die behandlung der Verstopfung. Einige Tipps haben wir in einem Merkblatt zusammengestellt.

Die wichtigste Differentialdiagnose von Beschwerden durch Divertikel stellen das Reizdarmsyndrom und verschiedene Nahrungsmittelunverträglichkeiten. Auch hierzu haben wir Ihnen Ernährungsmerkblätter zusammengestellt (Reizdarm, Fruktoseintolleranz)

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